fluid narratives ist ein interdisziplinäres forschungs- und schaffensprojekt, das die alte türkische kunst des ebru (papiermarmorierung) als zeitgenössisches medium für klangkomposition, interaktive performance und visuelles erzählen neu denkt. begonnen als dissertation an der university of california, berkeley, entwickelt das projekt ein augmentiertes marmorier-instrument, das wasser, pigment und geste in echtzeit in klang und bild übersetzt.
historisch von frauen praktiziert und weiterentwickelt, ist ebru eine fluide, flüchtige kunstform im osmanischen kulturerbe. das projekt erweitert ihren horizont: kontaktmikrofone und transducer erfassen die intime physik des marmorierens, während computer vision und eigens entwickelte max/msp-software visuelle muster in sich entwickelnde klangliche und räumliche strukturen übersetzen.
die forschung fragt: wessen wissen zählt als technologische innovation? indem es die materielle intelligenz einer feminisierten handwerkstradition in den vordergrund stellt, hinterfragt das projekt eurozentrische erzählungen von technologie und schlägt alternative modelle für instrumentenbau, notation und performance vor.
kontaktmikrofone erfassen wasser, pigment und werkzeuge. eigens entwickelte max/msp-algorithmen übersetzen die geste in granulare texturen, spektrale freezes und mehrkanalige raumklang-diffusion.
die beiträge von frauen zum ebru sichtbar machen und materielles handwerkswissen als technologische innovation in postkolonialen und feministischen diskursen neu rahmen.
computer vision verfolgt die fluiddynamik in echtzeit und erzeugt gestische steuerdaten für räumlichen klang und interaktives video. die entwicklung verteilt sich auf das cnmat (berkeley) und die hear (straßburg).
ein 15-minütiges werk, das einem alchemistischen bogen in fünf abschnitten folgt. das harmonische feld wird schrittweise entblößt, bis nur eine einzige tonhöhe bleibt. das ebru-becken ist die primäre elektronische klangquelle; die stimme tritt aus seiner welt hervor.
anfangston: g3 (schatten). schlusston: e6 (singularität). von der tiefe in die höhe. von der mehrdeutigkeit zur präsenz.


ein ritual, gebaut auf einem satz, den der körper nicht loslässt — ein einziges gefährliches, kostbares ding, zu dem jedes fragment hingezogen wird. das publikum hört ihn nie. die stimme versucht, ihn gehen zu lassen; die klarinette — das rohrblatt, der scheiternde artikulator — versucht, ihm konsonant und tonhöhe zu geben; das euphonium wird sein äußeres organ und trägt das fehlende wort; die marmorierfläche zeichnet die versuche als instabile spuren auf; die elektronik behält nur, was unvollendet bleibt.
gestimmt in reiner intonation auf der obertonreihe des kontra-b. durch die zeremonien I–VI erklingen nur vier partialtöne — b · f · d · as — bis zum riss: ein um einen viertelton erhöhtes f in zeremonie VII, die eine tonhöhe außerhalb des feldes, absichtlich, nie korrigiert.


echopraxia bezeichnet unwillkürliche nachahmung — der körper wiederholt eine geste, bevor das ich ihr zugestimmt hat. das stück behandelt imitation nicht als metapher, sondern als physischen zustand: ein system, in dem stimme, instrument, wasser und maschine einander fortwährend spiegeln und verwandeln.
der erste klang ist ein einzelner pigmenttropfen auf wasser. der erste satz ist im wasser, nicht im ensemble. über fünf sätze bleibt keine geste singulär und keine wiederholung identisch.

der erste vollständige bogen des projekts, abgeschlossen im frühjahr–sommer 2026 — vier daten, vier institutionelle häuser. weitere aufführungen sind für die saison 2026–27 in vorbereitung.
veranstalter·innen und kurator·innen — für booking-anfragen, technische rider oder werkstattpräsentationen: info@edaer.me
filme der uraufführungen des bogens 2026 und dokumentation des augmentierten ebru-instruments — kontaktmikrofone, transducer und eigens entwickeltes max/msp, das die marmoriergeste in echtzeit in klang übersetzt.

uraufführung — hear, straßburg · ensemble crash + eda er.

uraufführung — gmem, marseille · collective lovemusic.

tinte, wasser und eine stimme, die zur strömung wird — kurze studie.

für sopran solo und ebru-instrument — performancefilm.

vollständige performance — stimme, ebru-becken, live-elektronik.

~60 sekunden des ersten funktionierenden systems: kontaktmikrofone, transducer, max/msp.
performance-momente, instrumentenaufbau und die räume, in denen die arbeit entsteht.















jede marke ist der rückstand einer geste in der flüssigkeit, kein symbol.
einzelnes artikuliertes ereignis, jede tonhöhe, durch den kontext bestimmt.
gehaltener ton, der sich natürlich ausbreitet und abklingt.
kontinuierliches gleiten von tonhöhe oder klangfarbe in die angezeigte richtung.
schnelle wiederholung oder tremolo; geschwindigkeit proportional zur dichte.
oszillierende phrase oder tonhöhenschwankung; kontinuierliche bewegung.
instabiler, vibrierender klang; schwankung von klangfarbe oder dynamik.
kreismuster: schleife, atemzyklus oder wiederholte figur.
strukturierte melodische oder rhythmische figur im freien kontext.
geschichtete, überlappende phrasen; polyphone wellenbewegung.
aktive stille; sich zurückziehen und resonanz oder raumklang lassen.
präzise artikulation, die eine laufende geste umlenkt.
ambient-textur oder bordun; präsent, aber nie dominant.
plötzlicher schnitt, abrupter halt oder gewaltsamer akzent, der die kontinuität bricht.
luftklang, atemgeräusch oder restton, der sich in stille auflöst.
anhaltender druck: gehaltener ton, gedämpfte oberfläche, anstrengung gegen die grenze.
allmähliche verwandlung von klangfarbe oder material; der vorherige zustand bleibt hörbar.
fluid narratives: the augmented ebru instrument as feminist practice — dissertation, university of california, berkeley (cnmat · bcnm) · in arbeit.
the voice of water — zeitschriftenartikel über das augmentierte ebru-instrument, seine notation und seine aufführungspraxis · in vorbereitung.
eda er
ken ueno · betreuer
mary ann smart · wissenschaftliches schreiben
edmund campion
myra melford
tom mays — technologie & elektronik · université de strasbourg
daniel d'adamo — komposition · université de strasbourg
yann robin — komposition · conservatoire saint-maur-des-fossés
nicholas isherwood — stimmcoaching · conservatoire de montbéliard
ensemble crash — the ceremony of almost saying (hear · straßburg)
collective lovemusic — echopraxia (gmem · marseille)
center for new music & audio technologies (cnmat) — uc berkeley
center for new media (bcnm) — uc berkeley
haute école des arts du rhin (hear) — université de strasbourg
max/msp · computer vision · kontaktmikrofone · transducer · mehrkanal-diffusion
den ebru-meister·innen, in deren linie diese arbeit steht.
neuigkeiten zu aufführungen, publikationen und zum projekt.